Scheiße

Scheiße.

Ich habe vor längerer Zeit einen Vortrag von Hellmut Karasek gehört, in dem er über die bekannte Aufforderung „Leck mich am Arsch“ referiert. Dieser Spruch hat im Schwabenland je nach Situation und Betonung ganz verschiedene Bedeutungen.( Siehe auch : Thaddäus Troll "Preisend mit viel schönen Reden.")

Ich bin zwar kein Dichter, doch was Helmut Karasek (und Thaddäus Troll)..darf, kann man mir doch wohl nicht verbieten, und so möchte ich mich hier über das oft gebrauchte und vielseitig anwendbare Wörtchen  „Scheiße“ auslassen. Der Grund: Sich nur mit ernsten und wichtigen Themen zu befassen und dabei auch noch erfolglos und vergeblich gegen den Strom zu schwimmen, ist frustrierend  Zum Frustabbau und als Kontrastprogramm will ich hier einmal in vulgärer Alltagssprache fäkalisierten Nonsens verbreiten. (Dieser Beitrag ist von den derzeit 52 Beiträgen der erfolgreichste. Diesen Erfolg wünsche ich mir auch für die anderen Beiträge.)
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"Da liegt ein Scheißhaufen" oder: "Da liegt ein Haufen Scheiße, ist eine nüchterne  Feststellung. Kacke ist auch nicht viel besser. Scheiße Exkremente zu nennen, klingt zwar nach guter Bildung, ist aber nur halb richtig, denn zu den Exkrementen zählt nicht nur Scheiße sondern auch Pisse. Dagegen ist Kot die korrekte Bezeichnung für Scheiße. Man sagt: "Da liegt Hundekot". Aber Kuhkot? Dann besser doch gleich Kuhscheiße (oder Ku-Ka-Ke). Weil Kuhscheiße nicht die Konsistenz hat, die man normalerweise von Scheiße erwartet, ist auch die gängige Alternative zu Kuhscheiße Kuhfladen. Bei einem Menschen würde man sagen: Er hat Dünnschiss. Von geistigem Dünnschiss spricht man, wenn jemand .z..B. in einer Debatte nur dürftige und nichts sagende Beitäge liefert. Dieser Dünnschisser hat einen nahen Verwandten: Das ist der Klugscheißer.

Bei der bekannten Redensart: Jemend hat Schiss in der Büx (auch Bux oder Butze), ist die ursprüngliche Bedeutung klar: Jemand hat sich vor lauter Angst in die Hose geschissen.  Sage ich aber: Ich habe Schiss vor der Prüfung, hat das mit Scheiße nichts mehr zu tun. Hier ist Schiss nur ein in der Alltagssprache gebräuchliches Wort für Angst. Es ist aber sicher aus der eben erwähnten Redensart entstanden.

Wenn Mediziner Scheiße meinen, sprechen sie von Stuhl. Einer, der sein Scheißen nicht unter Kontrolle hat, leidet an Stuhlinkontinenz. Aber auch wohlerzogene Menschen bezeichnen Scheiße als Stuhl und Scheißen als Stuhlgang. Manche Menschen sind so wohlerzogen, dass sie nicht nur von dem unfeinen Wort "Scheiße" indigniert sind, sondern auch schon von dem Schriftbild des Wortes „Scheiße“. Für diese Leute schreibt man dann: Sch - - - -,  Hundesch - - - -.  Kuhsch - - - - usw.

Da hat einer Scheiße gebaut und sein Auto zu Schrott gefahren. Er flucht: „Scheiße! Verdammte Scheiße!, Gottverdammte Scheiße!“, denn sein scheißeteures Auto ist noch lange nicht bezahlt, Nun sitzt er ganz schön in der Scheiße, und schon bald steht ihm die Scheiße bis zum Hals. Zu allem Überfluss rühren seine lieben Nachbarn nun auch noch in der Scheiße, obwohl die das einen Scheißdreck angeht, und auf ihre guten Ratschläge kann er scheißen.

Scheiße kann auch Mitleid,  Betroffenheit und Bedauern, ausdrücken: „Scheiße, Scheiße“ flüstert einer still vor sich hin, der eben erfahren hat, dass ein guter Freund schwer verunglückt ist. War es nur ein  Bekannter, sagt er: "Ach du Scheiße!".

Da arbeitet einer fleißig und kommt als Leiharbeiter trotzdem kaum über die Runden. Für ihn ist das alles ein scheiß Spiel. Er vesucht sein Glück im Lotto und beklagt sich: "Scheiße, schon wieder nichts gewonnen!" Scheißegal, er spielt weiter im Lotto. Als er hört, dass sein reicher Nachbar ganz groß gewonnen hat, sagt er: "Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen."

Um auf rüde Art Wünsche und Forderungen abzuwehren, ist Scheiße besonders gut zu gebrauchen:  Da fragt einer: "Kannst du mir mal 100 Euro leihen?" Ist die Antwort: "Ich werd' dir was scheißen!" oder: "Du willst mich wohl bescheißen", oder einfach nur: "Ja, Scheiße!" mit entsprechender Betonung, ahnt man, dass der Frager nicht kreditwürdig ist.

Noch besser eignet sich Scheiße, um jemanden zu beleidigen,  z.B.:  "Du bist ein Scheißkerl!" Oder noch besser: "Du bist doch nur ein blödes Stück Scheiße!" Da ist eine Steigerung kaum noch möglich.

Sehr oft wird Scheiße adjektivisch gebraucht, immer mit stark abwertender Bedeutung: Was Bayern München spielt ist scheiße! (Stimmt leider nicht. Scheiße!. -  Ich bin nämlich BVB-Fan), oder Sie können meine Homepage scheiße finden, diesen Beitrag sogar total scheiße.

Weiere Beispiele: Alles scheiße, scheiß Wespen, scheiß Auto, scheiß Wetter usw. usw. Etwas anders betont ist es genau so gut auch ein Scheißauto, oder ein Scheißwetter. Scheißwespen dagegen sind eine von mir entdeckte Wespenart (Vespula karlensis), die ihre Angreifer nicht mit Stechen sondern mit Scheißen abwehrt. Auf der Haut wirkt die Scheißwespenscheiße genau so schlimm wie Wespenstiche. Hier noch ein besseres Beispiel: Ein scheiß Haus ist ein Haus mit gravierenden Mängeln. Ein Scheißhaus aber ist ist ein Örtchen, wo man scheißt. Hat das Scheißhaus auch gravierende Mängel, ist es ein scheiß Scheißhaus.
So, nun ist aber genug von dem Scheiß! Ein Kölner würde sagen: "Isch drieß op d'r Driss!" (Ich scheiße auf den Scheiß.)

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„Denk' ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ (Heine)  Da konnte ich wieder einmal stundenlang nicht einschlafen. Um mich von meinen trüben Gedanken abzulenken, habe ich Gedichte von Wilhelm Busch zitiert. Danach fielen mir einige der bekannten Scheiße-Verse  ein z.B.: Scheiße in der Lampenschale gibt gedämpftes Licht im Saale  usw. usw.  Als ich immer noch nicht einschlafen konnte, habe ich selber welche fabriziert. Hier sind sie:

Scheiße an die Wand geschmiert,    als Lifestyle-Bild das Zimmer ziert,

Scheiße als Kunstwerk zu gestalten,   ist modernen Künslern vorbehalten.

Scheiße von des Künstlers Hand    wird moderne Kunst genannt.  .  

Scheiße liegt im Wasserglas.    Daraus zu trinken macht kein'n Spaß.

Scheiße mit heißer Mich verrührt,    wird manchmal als Kakao serviert.

Scheiße auf dem Küchenherd.    Mit Recht die Hausfrau sich beschwert.

Scheiße liegt im Treppenhaus,    und schon rutscht einer darauf aus.

Scheiße fliegt von oben rein.    Das kann nur von Vögeln sein.

Scheiße durch die Lüfte fliegt,    und schon hast du was abgekriegt.

Scheiße aus dem Arschloch quillt,    bis der Scheißedrang gestillt.

Weniger lyrisch kann man diesen natürlichen Vorgang auch so ausdrücken: Man scheißt, bis man ausgeschissen hat. Eine Bedeutungserweiterung ist für mich sehr naheliegend: Ich bin inzwischen 83 Jahre alt und habe bald ausgeschissen. Scheiße!.

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