Das VW-Desaster

Das VW-Desaster.   (2015)

Im SPIEGEL Nr.40/2015 zeigt das Titelbild 6 Totengräber, die symbolisch ein VW-Auto zu Grabe tragen, stellvertretend für die ganze Firma VW. Da habe ich gleich einen sehr kurzen und wütenden Leserbrief an den SPIEGEL geschrieben:

Die kriminelle Aktion des VW-Managements bei Dieselmotoren ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten und grenzt an Idiotie. Das Titelbild Ihrer Ausgabe 40/2015 grenzt ebenfalls an Idiotie.

Der Schaden den VW hat, ist ohnehin schon groß genug, und die jetzige Medienrummel vergrößert nur den Schaden. Ich kann nur raten: Tiefer hängen, denn nicht nur VW, das Renommee der deutschen Autoindustrie und damit auch das der ganzen deutschen Industrie wird geschädigt. (Heute weiß man, dass auch andere Firmen betrogen haen.) Natürlich muss die kriminelle Dummheit von VW angemessen bestraft werden. Doch was die Angemessenheit betrifft, habe ich bei der pervertierten Juristerei in den USA die größten Bedenken. Gut in Erinnerung ist der Fall einer alten Dame, die sich am Autoschalter von McDonalds einen Becher heißen Kaffe geben ließ und sich dabei verbrüht hat. Es wurde um Schadensersatz und Schmerzensgeld in Millionenhöhe verhandelt. Das ist kein Witz. Das kann dort passieren, wenn man genug Geld für einen guten Rechtsanwalt hat. Daran gemessen, werden die Kosten für VW sich wohl der Hundert-Milliarden-Grenze nähern, und der SPIEGEL könnte dann mit seinen blödsinnigen Titelbild Recht behalten. Die Spitzenkräfte der amerikanischen Justizindustrie sind schon eifrig dabei, ungeheuerliche Vermögens-, Sach-, und Gesundheitsschäden herbeizufantasieren. Auf über 100 VW-Tote und 78 Milliarden Strafen und Schadenersatzleistungen sind sie inzwischen schon gekommen.

Müssen wir es uns gefallen lassen, dass Dutzende amerikanische Anwaltskanzleien sich an VW mästen und mit Sammelklagen und sonstigen Forderungen astronomische Schadenersatzforderungen stellen, die in ihrer wie üblich absurden Höhe einen Weltkonzern mit hunderttausenden Arbeitsplätzen ruinieren können?  Wieso wird bei uns so getan, als ob alles Unheil, das aus den USA herüberschwappt, ein unabänderliches Schicksal ist, so als käme es vom Lieben Gott?  Wir sind doch nicht der 51. Bundesstaat der USA.

Wenn ich als Richter den Prozess zu führen hätte, würde ich so entscheiden: VW hat betrogen und der Betrug muss angemessen bestraft werden. Fünf Milliarden Strafe und die enormen Folgekosten, die wahrscheinlich das Doppelte oder Dreifache dieser Summe betragen, sind genug und selbst für VW kein Pappenstiel. Wesentlich mehr geht nur auf Kosten der Substanz der Firma. Das Management wird angeklagt. Schuldiggesprochene werden entlassen, müssen Rahmen ihrer Möglichkeiten Schadenersatz leisten und erhalten keine Abfindung. Alle Besitzer der auffälligen Dieselautos haben Anspruch auf eine kostenlose Nachbesserung der Abgaswerte auf die von VW propagierten Werte. Wo das bei älteren Autos technisch nicht möglich ist, können Autobesitzer sich mit einem Teil des Zeitwertes entschädigen lassen.

Nachtrag 1: Im Zusammenhang mit dem VW-Skandal wird von interessierten Stellen eine Diesel-Weltuntergags-Katastrophe herbeigeredet. Mir ist keine Untersuchung bekannt, die festgestellt hätte, dass Berufskraftfahrer, die einen Großteil ihres Lebens im Dieselqualm verbringen, eine signifikant höhere Sterblichkeit an Krebs hätten. Sollte es doch eine geben, ist Skepsis angebracht. Wie bei allen Gutachten sollte man immer fragen, in wessen Interesse sie bestellt und bezahlt wurden. Ich glaube, dass der Qualm einer einzigen Zigarette schädlicher ist als eine lange Autobahnfahrt hinter VW-Dieseln.

 

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