Ich, der Liebe Gott Nr.2

Ich, der Liebe Gott Nr.2 (2011)

Ich träumte einmal, dass der Liebe Gott gar nicht der eifersüchtige Zauberkünstler ist, als den  ihn die Bibel beschreibt. Er offenbarte mir, dass er auch einen Lieben Gott Nr.2 neben sich dulden würde, nämlich mich.
Allwissend, wie ich nun war, sah ich, dass unser Universum nur ein einsamer Punkt in der Unendlichkeit ist und allmächtig, wie ich nun war, beschloss ich, die Unendlichkeit mit meinen Welten zu füllen. Ich sah gleich, dass ich mich auf Kopien beschränken musste, denn der Liebe Gott Nr.1 hat unser Weltall so genial gemacht, dass ich daran trotz meiner Allwissenheit nichts verbessern konnte.

Als Erstes entferne ich mich also sehr weit von unserem Universum, fast unendlich weit und ließ es dort kräftig knallen, genau so, wie der Liebe Gott Nr.1 auch unser Weltall gestartet hatte. Von dort begab ich mich nochmals fast unendlich weit weg, baute in meine Knallkörper aber Zeitzünder ein mit  verschieden lang eingestellten Zeiten von einer Sekunde bis fast unendlich lang. So beschäftigte ich mich etliche Milliarden Jahre. Aber nachdem ich fast unendlich viele Welten geschaffen hatte, sah ich, dass in der Unendlichkeit noch immer genau so viel freier Raum war wie vorher. Ich war leicht frustriert und kehrte zu meinem ersten Knaller zurück. Es war das eingetreten, was ich dank meiner Allwissenheit schon immer wusste: An vielen Stellen meines Weltalls hatte sich Leben entwickelt, teils nur ganz primitiv, teils aber auch sehr hoch entwickelt, so wie es die äußeren Bedingungen und die Entwicklungszeit es zuließen. Es gab sogar Planeten, die waren der Erde sehr ähnlich. Teilweise gab es dort auch intelligente Wesen. Da begegnete ich dem Lieben Gott Nr.1. Ich sprach: „Hallo Kollege, dein Weltall zu vervielfältigen, war doch wohl eine tolle Idee von mir, oder?“ „Na ja“, sprach der Liebe Gott Nr.1, „du hast deine Sache soweit recht ordentlich gemacht, nur etwas eintönig, Hast du denn nicht gesehen, dass ich die ganze Unendlichkeit auch noch mit ganz anderen Welten gefüllt habe?“
Die ganze Unendlichkeit? Ganz andere Welten? Das alles konnte ich trotz meiner Allwissenheit nicht verstehen. Ich grübelte und grübelte und begann, an meiner Allmacht und Allwissenheit zu zweifeln und bin darüber wach geworden.

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