Die Heilige Schrift

Die Heilige Schrift.  (2006)

Wie ich im Konfirmationsunterricht gelernt habe, sind die Verfasser der Bibel oder der Heiligen Schrift vom Heiligen Geist inspiriert worden. Nachdem ich mir die Mühe gemacht habe, sie einmal ganz durchzulesen, glaube ich, dass so manche Stelle eher vom Teufel inspiriert ist. Im Alten Testament habe ich viele solche Stellen gefunden. Um nur ein Beispiel zu nennen: 4. Mose 31, Vers 14 ff.  Die Israeliten kämpften gegen die Midianiter. Nachdem sie alle Männer niedergemetzelt hatten, entführten sie die Frauen und Kinder in ihr Lager. „Und Moses wurde zornig“. Er ließ alle Frauen und Knaben ermorden und nur die Jungfrauen durften noch verwertet werden. Das waren immerhin noch "zweiunddreißigtausend Mädchen, die nicht von Männern berührt waren." Was ist an diesem Verbrechen heilig? Das Alte Testament schildert viele solche Abscheulichkeiten, wo beim Landraub der Israeliten ganze Städte „mit der Schärfe des Schwertes“ niedergemacht wurden, bis „alles was Odem hat“ ausgelöscht war, also auch Greise, Frauen, Kinder, Säuglinge und je nach Laune auch alles Vieh. Da lobe ich mir den IS. Der hat wenigstens nur selektiv gemordet. Ich weiß nicht, wieso das Alte Testament, dieses jüdische Legenden- und Geschichtenbuch, gespickt mit Verbrechen, als heilig in die christliche Bibel aufgenommen wurde. Ich weiß auch nicht, warum die Offenbarung  des Johannes, diese Schreckensvisionen eines Psychopathen oder Irren, Eingang in die Bibel gefunden hat. Beide gehören, wenn überhaupt, in die apokryphen Schriften. Natürlich gibt es da auch erbauliche Passagen. Die Geistlichen können dann immer noch diese für ihre Predigten extrahieren.

Die Schöpfungsgeschichte beruht auf Vorstellungen, die man nach dem damaligen Wissensstand haben konnte. Doch die Geschichte der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes, ein Abfallprodukt des Mannes gewissermaßen, kann nur kranken Männerhirnen entsprungen sein. Die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies gehört in die gleiche Kategorie, genau so, wie alle Vorstel­lungen, Vorschriften und Gesetze in allen Religionen, die Frauen  diskriminieren.

Der Monotheismus wurde von den Juden gegründet. Den vielen Götzen benachbarter Völkerschaften stellten sie ihren Supergötzen entgegen, genannt der HERR oder Jahve. Er war nur für das Volk Israel da, denn es war angeblich sein auserwähltes Volk. Dafür wollte er durch die Einhaltung vieler Vorschriften und blutiger Opferrituale bei Laune gehalten werden. Zwar mussten ihm keine Menschen geopfert werden, wie in vielen archaischen Gesellschaften, aber immerhin die besten Stücke ihrer Herden. Die alte Tradition der Menschenopfer wurde aber wieder lebendig, als Abraham in einem Anfall geistiger Umnachtung seinen Sohn Isaak schlachten wollte.

Die religiösen Führer der Juden hatten immer Schwierigkeiten, den Glauben an den einen Gott im Volke fest zu verankern. Alles Unge­mach, unter dem das Volk zu leiden hatte, führten ihre Priester und Propheten auf die Hinwendung zu anderen Göttern oder auf die mangelnde Beachtung religiöser Vorschriften zurückt..

Den Kern des jüdischen und christlichen Glaubens bilden die Zehn Gebote. Sieht man einmal von ihren religiösen Vorschriften ab, kann man die Zehn Gebote auf vier reduzieren: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht lügen. Du sollst deine Eltern und alte Men­schen achten. Diese vier Gebote werden auch ohne Kenntnis der Gesetzestafeln vom Berge Sinai ganz selbstverständlich von jeder funktionierenden menschlichen Gesellschaft anerkannt und praktiziert. Nicht nur das, selbst ein Wolfsrudel beachtet diese Vorschriften in gewisser Weise, natürlich nur innerhalb des eigenen Rudels. Genau diese Einschrän­kung gilt auch für das Rudel der Israeliten. Wie viele Geschichten des Alten Testaments bezeugen, gilt das Gebot: "Du sollst nicht töten" nicht für Feinde. Auch nicht für Völker, die zu Feinden erklärt wurden, nur weil sie beim Landraub im Wege standen und an ihnen der "Bann" vollzogen wurde. In einer korrekten Übersetzung der Bibel müsste statt  "Bann"  Völkermord stehen.

Im neuen Testament und durch die Ausbreitung des Christentums wurde der Supergötze der Israeliten zu dem universalen Gott der ganzen Menschheit. Leider wurde er dreigeteilt oder er bekam zumindest zwei Anhängsel: Den Sohn und den Heiligen Geist, im Judentum und im Islam verständlicherweise eine Gotteslästerung. Auch mir ist nicht klar, wieso Gott, der doch ewig, allmächtig, allwissend und allgegenwärtig ist, es nötig hat, auf dubiose Weise einen Sohn zu zeugen, um ihn dann für die Sünden der Menschen grausam umbringen zu lassen, gemäß der alten heidnischen Tradition von Menschenopfern. Warum nicht gleich die Sünden vergeben, wenn die Menschen Reue zeigen und um Verge­bung bitten?

Zum Heiligen Geist fällt mir nichts ein.

Als von den Evangelisten das Neue Testament geschrieben wurde, gab es keine Menschen mehr, die Jesus persönlich erlebt hatten. Es gab nur Nacherzählungen mündlicher Überlieferungen und entsprechend geschönt, zweckgerichtet gefälscht und phantastisch sind die Berichte, genau wie im Alten Testament.

Ich halte die vielen Wunder, von denen die Bibel berichtet, für eine Gotteslästerung, die der Größe des Schöpfers und der Großartigkeit seiner Schöpfung Hohn sprechen und die Gott auf den Rang eines Magiers oder Zauberkünstlers herabstufen, auf den Rang eines David Copperfield XXXL.

Als Jesus noch lebte, war der Glaube der Juden von einer Unzahl religiöser Vorschriften und Rituale  erstickt. Die Priesterschaft war mächtig und wahrscheinlich von der römischen Besatzungsmacht korrumpiert. Da trat ein charismatischer Wanderprediger auf, Jesus. Er erklärte die religiösen Rituale für nicht so wichtig und erweiterte die Zehn Gebote um Forderungen, denen nachzukommen wohl nur Heiligen möglich ist. Er kümmerte sich um Arme, um von der Gesellschaft Ausgestoßene und Kranke. Er forderte ein, friedliches Miteinander. Er forderte Hilfsbereitschaft, die allen Bedürftigen und Menschen in Not zukommen sollte, nicht nur solchen vom eigenen Volk. Er forderte Nachsicht und Verzeihung von Fehlverhalten und Vergehen anderer, auch wenn diese an einem selbst begangen wurden. Er versprach denen das Himmelreich, die reinen Herzens und barmherzig sind, die Frieden stiften, die Gerechtigkeit verlangen und deswegen verfolgt werden.

Ich beneide alle, die an Jesus und seine Lehre glauben und alle, die sich bemühen, danach zu leben, haben meine Achtung und Respekt.

 

Zu dem Vorstehenden noch ein Nachtrag, der nichts mit dem eben behandelten Thema zu tun hat, der aber zeigt, wie Unbedarfte - in dem Fall ich selber - durch kritiklose Übernahme von Gerüchten zu falschen Behauptungen verführt werden. Ich hatte in meinem Essay geschrieben: „Was ist daran so falsch, wenn jemand heute die Juden als Tätervolk bezeichnet? Der Jenninger sollte das aber besser nicht gemacht haben.“

Der damalige Bundestagspräsident Jenninger hatte 1988 zum fünfzigjährigen Gedenken an die sog. „Reichskristallnacht“ im Parlament vor geladenen Gästen eine so missratene Rede gehalten, dass er deswegen seinen Rücktritt erklären musste. U.a erinnere ich mich an eine Interpretation seiner Rede, in der ihm unterstellt wurde, er habe den Juden eine Mitschuld an ihrem Schicksal gegeben, weil auch sie ein Tätervolk seien, was ja wohl auch ganz sicher gestimmt hätte, siehe Altes Testament..

Bei der Überarbeitung meines Manuskriptes kam mir die gute Idee, mir diese ominöse Rede einmal im Wortlaut anzusehen. Jenninger ist bestimmt kein glänzender Rhetoriker. Seine Rede handelte aber keineswegs von jüdischer Mitschuld und den Juden als Tätervolk. Sie war für meinen Geschmack viel zu weitschweifig. Sie wäre vor einem Auditorium von Abiturienten richtig gewesen. Dass er unnötigerweise die Erfolge der Nazis erwähnte, ohne  dabei mit den üblichen starken Worten die nötige Betroffenheit zu zeigen, ist wohl nur seiner mangelnden Sensibilität zuzuschreiben. Die hysterische Reaktion auf seine Rede fegte ihn aus dem Amt.

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