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Friedrich Merz (2020)

Was Geld betrifft, hat Herr Merz schon lange ausgesorgt – was ihn jetzt noch reizt, ist Macht. Dafür habe ich Verständnis und es ist ihm kein Vorwurf daraus zu machen. Trotz vieler Rückschläge ist er auf seinem Weg nach ganz oben schon beachtlich weit gekommen. Allein sein Alter könnte ihn da ausbremsen.

Im Jahr 2008 hat er pünktlich zum Bankrott der Lehmann-Bank und der dadurch ausgelösten Banken- und Wirtschaftskrise ein Buch herausgegeben: „Mehr Kapitalismus wagen!“ Ich habe es gekauft in der Annahme, er hätte sein Metier gewechselt und hätte eine Satire geschrieben, oder wäre unter die Witzbolde gegangen. Aber weit gefehlt: Er meint es todernst und das Buch ist gewissermaßen sein Glaubensbekenntnis. Zu einem unpassend gewählten Zeitpunkt vertritt er da seine Positionen zum Kapitalismus und Liberalismus, doch leider nur aus der verengten Sicht eines sehr wohlhabenden Juristen, der jahrelang die Interessen von Banken und Konzernen verteidigt hat.
An einer Stelle seines Buches erwähnt er beiläufig, dass von den Banken täglich Gelder, Währungen und Wertpapiere im Wert von 2 bis 3 Billionen Euro - täglich! - um den Globus gehetzt werden. Das ist ein Betrag, der der Wirtschaftsleistung ganz Deutschlands in - einem Jahr! - entspricht.
Ich war bis dahin immer der Meinung, dass die Aufgabe der Banken darin besteht. Gelder von Sparern einzusammeln und diese als Kredite an Industrie und Handwerk weiter zu geben. Natürlich auch an Privatpersonen , die z.B. zum Bau eines Hauses einen Kredit brauchen. Reichen die Einlagen der Banken nicht, um alle Kreditwünsche zu erfüllen, können sie ihrerseits nahezu unbegrenzt Kredite bei der Zentralbank (EZB) aufnehmen.
Das Geschäftsmodel heutiger Banken funktioniert offenbar ganz anders und zwar so, dass mit der Geldverschieberei viele Milliarden verdient werden. Wie dass im einzelnen funktioniert, weiß ich nicht, aber es funktioniert so, dass die Vertreter dieses Systems sich gegenseitig Jahreseinkommen in zwei oder dreistelliger Millionenhöhe zuschieben. Das Gleiche gilt auch für die Manager großer Industriefirmen. Auf wessen Kosten geht das  alles?


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