Meine Freunde, die Manager.

Meine Freunde, die Manager. (2006)

Wie seriöse Untersuchungen zeigen, werden Spitzenpositionen in der Wirtschaft und bei Banken zu ca. 90% mit Angehörigen großbürgerlicher Familienclans besetzt und das nicht erst seit heute. Das sind auch die Leute, die das Wort „Leistung“  bis zum Überdruss strapazieren, obwohl ihre „Leistung“ in erster Linie darin besteht, sich bei der Besetzung von Spitzenpositionen zu protegieren und sich gegenseitig absurd hohe Einkommen zuzuschieben. Die meisten Spitzenmanager haben ihr Studium mit einem guten oder sehr guten Abschluss beendet, teilweise haben sie sogar auf Eliteuniversitäten im Ausland studiert. Bescheidenheit ist wohl das Letzte, das ihnen dort beigebracht wird. Das gilt besonders für Leute, die nach einem Jurastudium oder nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften in ihrer Karriereplanung eine leitende Position in großen Konzernen fest im Blick haben. Corpsgeist und Vitamin B (= soziale Inzucht und Beziehungen) sind sicherlich sehr nützlich. Kommt dann noch der gekonnte Gebrauch der Ellenbogen hinzu, ergibt das ganz sicher einen Spitzenmanager und er fühlt sich mit Recht als Sieger. Nur heben die meisten dann ab und werden größenwahnsinnig, besonders was ihre Ansprüche an ihr Einkommen betrifft. Dass sie letztlich nur überbezahlte Arbeitnehmer sind, die jederzeit ersetzt werden können, kommt ihnen nie in den Sinn. Was mich nun gegen diese Herren so in Rage versetzt, ist zwar auch die Höhe ihrer Einkommen aber mehr noch deren absolut kriminellen Steigerungsraten seit dem Untergang des Kommunismus. Das alles ist nichts anderes als legalisiertes Gangstertum, ein permanenter Raubzug der Spitzenmanager-Clique und müsste entsprechend bestraft werden. Hier einige Beispiele dafür, welche perverse Höhe diese Einkommen inzwischen erreicht haben: In unserem gelobten Land USA verdiente der höchstbezahlte Manager des Landes 1968 bei GM das Sechzigfache der dort beschäftigten Arbeiter. Heute, 2010, verdient dort der Manager von Wal Mart das Neunhundertfache seiner Angestellten. Die Zeiten sind wohl nicht mehr fern, dass wir solche Zustände auch in Deutschland als normal ansehen müssen. Dafür werden unsere Manager uns dann „herrlichen Zeiten entgegenführen“ (Wilhelm II), noch viel herrlicher als etwa 2008/09.

Nach dem Untergang Kommunismus fühlten sich diese Herren als Sieger der Weltgeschichte und setzten unverzüglich zum Sturm auf die nächste Bastion an, nämlich die Entmachtung aller Regierungen, die nicht bereit waren, nach dieser unseligen Globalplayer- und Shareholder-Value-Pfeife zu tanzen. Wie weitgehend ihnen das gelungen ist, zeigt die hilfslose Reaktion auf die jetzige Finanzkrise, wo alle Regierungen den Brandstiftern das Löschwasser zur Verfügung stellen und ihnen bei ihren weiteren Brandstiftungen nur hilflos zuschauen.

Das Zehn- bis Zwanzigfache des Einkommens eines Facharbeiters sollte für Manager von Großbetrieben absolut ausreichend sein zuzüglich einer Erfolgsbeteiligung, aber nur für Schaffung neuer Arbeitsplätze in Deutschland, nicht aber für spekulative Aktienwertsteigerungen. Selbstverständlich müsste im umgekehrten Fall bei Entlassungen das Einkommen sinken. Als zusätzliche Privilegien halte ich einen Dienstwagen mit Fahrer und eine Dienstvilla für angemessen. Das alles ist immer noch ein Vielfaches dessen ist, was jemand mit einer vergleichbaren akademischen Ausbildung in anderen Berufen verdient und zu erwarten hat.

Ich möchte mich zum Schluss einem anderen Aspekt zuwenden. Immer wieder hört man von bestechlichen  Angestellten der Kommunen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Was da die Öffentlichkeit gewahr wird, dürfte wohl nur die Spitze des Eisberges sein. Der Wert dieser Aufträge bewegt sich teilweise in zwei- oder gar dreistelliger Millionenhöhe. Da lassen sich leicht größere Summen abzweigen, um damit nicht ganz charakterfeste Angestellte oder Beamte mit ihrem vergleichsweise geringen Einkommen durch Bestechung in die gewünschte Richtung zu lenken. Die Charakterfestigkeit der Manager ist natürlich im Schnitt nicht besser als die der Menschen im öffentlichen Dienst. Die Eigner der Firmen wissen das und zahlen ihren Managern enorme Summen, damit sie einer Bestechung widerstehen und dass sie dann – so hoffen die Eigner – loyal die Interessen der Firma vertreten. Diese Überbezahlung des Managements ist also nichts weiter als eine vorsorgliche Bestechung durch die Eigentümer. So gesehen, sind die Millionengehälter möglicherweise sogar gut angelegt.

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